Singen gibt Grundschülerinnen und Grundschülern Energie und Mut während des Corona-Lockdowns

Kreismusikschule setzte auf digitalen Unterricht

Kreis Paderborn (krpb). Blasinstrumente schweigen und Chöre sind verstummt – die Corona-Schutzmaßnahmen haben auch das musikalische und kulturelle Leben im Kreis stark beeinträchtigt. Das betrifft nicht nur die professionellen Künstlerinnen und Künstler sowie die zahlreichen Chöre und Orchester im Kreisgebiet, sondern auch die rund 1.300 Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die zu normalen Zeiten unter Regie der Lehrerinnen und Lehrer der Kreismusikschule ein Instrument erlernen oder ihre Stimme ausbilden. „In Krisenzeiten ist alles plötzlich anders“, sagt Eddi Kleinschnittger, pädagogischer Leiter der Kreismusikschule.

Ab Mitte März waren alle Schulen geschlossen und damit fielen plötzlich auch die Unterrichtsräume für die Musiklehrer der Kreismusikschule weg. Normalerweise finden in den Schulen am Nachmittag nach dem regulären Schulunterricht die Musikstunden statt. Auch die zahlreichen Kooperationen für Musik- und Gesangprojekte an Grundschulen mussten pausieren. „Corona hat uns zu vielen kreativen Lösungen herausgefordert. Wir haben kurzfristig Online-Unterricht angeboten, bei denen die Lehrerinnen und Lehrer live die Schülerinnen und Schüler korrigieren, auf die richtige Handhaltung beim Spielen oder Intonation achten konnten“, berichtet Kleinschnittger. Bei Chören ist jedoch das digitale Lernen auf Distanz wesentlich schwieriger umzusetzen. Doch Musiklehrerin Karin Henkemeier fand Wege, auch ihre kleinen Sängerinnen und Sänger im Corona-Lockdown zu erreichen.

Normalerweise unterrichtet Henkemeier insgesamt 120 Chorkinder an drei Delbrücker Grundschulen. „Das gemeinsame Singen auch zusammen mit den Lehrkräften setzt unheimlich viel positive Energie frei und tut den Kindern einfach gut. Und wann haben wir je mehr positive Energie und Aufmunterung gebraucht, als während des Lockdowns?“, fragt die Musiklehrerin. Wöchentlich nahm sie eine Chorstunde per Video auf und schickte die Lernvideos per Mail an die Schülerinnen und Schüler. Kaum waren die ersten Videos angekommen, folgten schon die ersten positiven Rückmeldungen „Meine Tochter vermisst den Unterricht sehr und freut sich deshalb besonders über die tollen Videos, die Sie mit so viel Einsatz erstellt haben!“, schrieb eine Mutter zurück. Karin Henkemeier ist natürlich bewusst, dass die Videos niemals eine gemeinsame Chorstunde ersetzen können. „Aber zumindest gerät der erlernte Liederschatz nicht in Vergessenheit, die Stimmen werden weiterhin geschult und auch neue Lieder wurden erlernt“, so die Pädagogin.

Auch Schulleiterin Marion Gerson von der Marienschule Delbrück findet die Arbeit der Musikschullehrerin großartig und ist froh, dass ihre Schule an dem Projekt der Kreismusikschule teilnimmt. „Es vermittelt den Kindern nochmal zusätzlich Mut und Struktur“, so Gerson.

Eddi Kleinschnittger bedankt sich bei allen Musikschülern und Eltern für ihre Geduld und sagt dankbar: „Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft und von der Treue zur Kreismusikschule. Es gab keine Abmeldungen aufgrund der coronabedingten Situation. Ganz im Gegenteil, wir haben große Unterstützung und Hilfsbereitschaft erfahren!“ Mehrfach sei sogar die Frage aufgetaucht, ob Spenden an die Musikschule möglich seien. Große Hilfsbereitschaft zeigen auch die kooperierenden Musikvereine. Sie stellen ihre Räumlichkeiten zur Verfügung als Ersatz für die geschlossenen Schulgebäude.

Wer das Arbeiten der Kreismusikschule unterstützen möchte, kann dies als Mitglied des Fördervereins tun. Nähere Infos erteilt die Geschäftsstelle unter 05251 308 4101. Die Kreismusikschule unterrichtet in allen Städten und Gemeinden im Kreisgebiet, mit Ausnahme der Stadt Paderborn und der Gemeinde Hövelhof. Anmeldungen für Einzel- und Kleingruppenunterricht ist nach wie vor möglich. Anmeldeformulare sind erhältlich unter www.kreis-paderborn.de/kreismusikschule

Bild: Weil gemeinsames Singen nicht möglich war, griff Karin Henkemeier von der Kreismusikschule nicht nur zur Gitarre, sondern auch zur Kamera.

Foto: Josef Henkemeier für die Kreismusikschule